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Demenz bei Hunden und Katzen – wenn Haustiere vergesslich werden

4. September 2019 · VetSpezial

Hunde und Katzen können im Alter an Demenz erkranken. Die Symptome der Krankheit sind mit denen des menschlichen Alzheimers vergleichbar. Demenz wird bei Hunden und Katzen als Kognitives Dysfunktionssyndrom (CDS) bezeichnet. Bisher ist die Erkrankung bei Haustieren kaum erforscht. Für Tierhalter sind die Anzeichen des CDS nicht immer klar einzuordnen.

Demenz bei Hund und Katze erkennen

Das Kognitive Dysfunktionssyndrom ist eine Alterserkrankung. Die Altersgrenze für das Auftreten einer Demenz liegt bei Hunden circa um das 9. und bei Katzen um das 15. Lebensjahr. Da bei Hunden das Alter in Verbindung zu Rasse, Körpergröße und Gewicht steht, ist der Prozess bei ihnen individueller zu beurteilen. Grundlage der Diagnose ist im Rahmen der Altersvorsorge eine eingehende Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und der Ausschluss anderer Erkrankungen, die zu Änderungen des Verhaltens führen können. Entscheidend für die Diagnosestellung sind zudem die Beobachtungen des Besitzers.

Anzeichen für das Kognitive Dysfunktionssyndrom:

  • veränderte Interaktion
  • veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Orientierungslosigkeit auch in bekannter Umgebung
  • intensives Lautgeben ohne ersichtlichen Grund
  • Unsauberkeit
  • veränderte Aktivität
  • Rastlosigkeit
  • gesteigerter Appetit/vermehrtes Betteln
  • Depression und Antriebslosigkeit

Wie verhalten sich Hunde und Katzen Demenz?

Hunde und Katzen können im Alter Eigenheiten entwickeln, an die wir uns als Tierhalter erst gewöhnen müssen. Die Lernbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit nehmen ab, das Ruhebedürfnis ist erhöht, Seh- und Hörvermögen verschlechtern sich. Die verzögerte Reaktion lässt unsere Haustiere oft etwas eigenwilliger wirken. Viele Veränderungen sind dem normalen Alterungsprozess geschuldet und stehen nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit einer Demenz.

Veränderte Interaktion mit Bezugspersonen und Artgenossen

Ein besonderes Merkmal der Demenz bei Hunden und Katzen ist die veränderte Interaktion. –Bezugspersonen werden nicht mehr überschwänglich begrüßt, betroffene Tiere lassen sich nicht mehr gerne streicheln und meiden den Körperkontakt. Auch das Interesse an Artgenossen und Beschäftigung, wie Spielzeugen und gemeinsamer Aktivität, sinkt. Häufig treten bei dementen Tieren Stimmungsschwankungen auf, die sie launischer, gereizter oder ängstlicher machen.

Schlaf-Wach-Rhythmus bei Hunden und Katzen mit Demenz

Sowohl Hunde als auch Katzen mit CDS haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Hunde neigen tendenziell gegen Abend zu Unruhe, die sich in Rastlosigkeit, starkem Hecheln und Winseln oder auch grundlosem Bellen zeigen kann. Katzen hingegen äußern sich lautstark vorrangig in den Nachtstunden.

Orientierungslosigkeit in gewohnter Umgebung

Hunde und Katzen, die unter dem Kognitiven Dysfunktionssyndrom leiden, stehen oft orientierungslos in ihnen bekannten Räumlichkeiten. Sie haben plötzlich Probleme mit alltäglichen Abläufen, finden Futterplätze und Toiletten nicht mehr, „verirren“ sich hinter Möbeln und finden keinen Ausweg.

Unsauberkeit in Zusammenhang mit CDS

Das krankheitsbedingte Vergessen betrifft auch die Grundbedürfnisse. Viele demente Hunde melden nicht mehr, wenn sie raus müssen. Insbesondere geschlossene Katzentoiletten mit Deckel stellen für Katzen mit CDS eine Herausforderung dar und sollten durch flache Schalen an möglichst vielen Orten ersetzt werden, um Unsauberkeit vorzubeugen.

Gesteigerter Appetit bei demenzkranken Hunden und Katzen

Betroffene Hunde und Katzen können sich oft nicht an die Nahrungsaufnahme erinnern und „betteln“ dementsprechend häufig.

Was passiert beim Kognitiven Dysfunktionssyndrom (CDS)?

Die Kognitive Dysfunktion ist eine fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns, vergleichbar mit der Demenz bei Menschen. Es kommt zu irreversiblen degenerativen Veränderungen des Gehirns durch Ablagerungen (Plaques), die betroffene Hunde und Katzen zunehmend in ihren kognitiven Fähigkeiten einschränken. Wie bei an Alzheimer erkrankten Menschen geht man auch bei betroffenen Hunden und Katzen davon aus, dass mangelnde geistige Aktivität und Förderung die Entwicklung der Krankheit sowie ihr Voranschreiten begünstigen. Die Altersdemenz bei Hunden und Katzen ist bisher wenig erforscht. Sie gewinnt jedoch durch die immer höhere Lebenserwartung, aufgrund der besseren tiermedizinischen Versorgung, zumindest in der Praxis zunehmend an Relevanz.

Hilfe für demente Hunde und Katzen

Das Kognitive Dysfunktionssyndrom ist nicht heilbar, dennoch ist eine tiermedizinische Betreuung und Behandlung von dementen Hunden und Katzen sinnvoll und erforderlich. Medikamente können die Symptome der Demenz abmildern und gegebenenfalls verzögern. Zusätzlich ist es empfehlenswert Futtermittel und Nahrungsergänzung auf die Erkrankung anzupassen.
Wichtigster Orientierungspunkt für demenzkranke Hunde und Katzen ist der Besitzer. – Klare Strukturen im Alltag, eine ruhige stressfreie Umgebung sowie auf das Tier abgestimmte Spiele und Aufgaben zur mentalen Aktivität können CDS-Patienten helfen. Hunde und Katzen, die an Demenz erkrankt sind, sollten nur noch gesicherten Freigang bekommen, da sie sich auch draußen nicht an gewohnte Wege erinnern und die Gefahr groß ist, dass sie nicht mehr nach Hause finden. Grundsätzlich sind viel Geduld, Geborgenheit und Einfühlungsvermögen im Umgang mit betroffenen Hunden und Katzen gefragt, um ihnen das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern.